KI-basierte Bilderkennung für gebäudescharfe Daten in der Wärmewende
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KIBIZ entwickelt Verfahren des maschinellen Lernens, um aus hochaufgelöstem, georeferenziertem Außenbild- und Panoramamaterial automatisch eine qualitätsgesicherte, gebäudescharfe Datenbasis energetisch relevanter Gebäudeparameter aufzubauen – als Grundlage für Wärmeplanung, Sanierungsstrategien und Infrastrukturentscheidungen. |
Kommunale Wärmeplanung, Sanierungsstrategien und Energieinfrastrukturplanung stehen und fallen mit einer Frage: Wie gut kennen wir den energetischen Zustand des Gebäudebestands, bis hinunter auf Gebäudeebene?
In der Praxis fehlen diese Informationen häufig oder liegen nur fragmentiert vor. Gleichzeitig müssen Kommunen in Deutschland bis Ende 2028 eine kommunale Wärmeplanung vorlegen; Großstädte bereits bis 2026. Der Sanierungsbedarf ist hoch: Ein großer Teil des Wohngebäudebestands ist älter als 45 Jahre und energetisch sanierungsbedürftig.
Das FuE-Projekt KIBIZ adressiert diese Lücke: Es entwickelt Methoden, um aus georeferenzierten Außenbildern automatisch, reproduzierbar und skalierbar energetisch relevante Gebäudeinformationen abzuleiten.
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Projekttitel |
KI-basierte Bilderkennung zur Bestimmung von Gebäudesanierungszuständen für den kommunalen Klimaschutz und mehr (KIBIZ) |
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Förderung |
Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Fördermaßnahme „KMU-innovativ: IKT“ |
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Laufzeit |
November 2025 bis Oktober 2028 |
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Projektleitung |
Disy Informationssysteme GmbH (Geo- und Umweltdatenmanagement, System- und Datenplattform) |
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Partner |
m-u-t GmbH & Co. KG (ML/Computer Vision, Bildanalyse), Stadt Essen (Praxispartner, Datenbasis, Validierung) |
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Assoziierte Praxispartner |
u. a. Stadtwerke München, Badenova NETZE, SWU Energie (Stadtwerke Ulm/Neu-Ulm) |
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Pilotgebiet |
Stadt Essen (hochaufgelöste, georeferenzierte Luftbilddaten sowie Straßenebene-Panoramadaten aus kommunalen Befahrungen) |
Datenbasis: bildbasiert, georeferenziert und multimodal
KIBIZ nutzt hochaufgelöstes, georeferenziertes Bildmaterial aus kommunalen Luftbild- und Straßenbefahrungen als primäre Informationsquelle. Jede Aufnahme bzw. jedes Panorama ist räumlich eindeutig verortet. Dadurch lässt sich visuelle Information direkt mit Geodaten verknüpfen (z. B. Gebäudegrundrisse, Adressen, Quartiere) und konsistent einzelnen Gebäudeobjekten zuordnen.
Mehrfachbeobachtungen: Gebäude können aus unterschiedlichen Blickwinkeln erfasst werden (bessere Abdeckung der Fassaden).
Robustheit: Kurzzeitige Sichtbehinderungen (z. B. Fahrzeuge oder Vegetation) lassen sich durch weitere Aufnahmen entlang der Straße ausgleichen.
Qualitätssicherung: Konsistenzprüfungen über mehrere Perspektiven hinweg (z. B. stabile Fenster- oder Dachkanten) werden möglich.
Skalierung: Straßenbefahrungen lassen sich als wiederholbarer Prozess aktualisieren und ermöglichen damit ein Monitoring über die Zeit.
Ziel ist eine gebäudescharfe Datenbasis energetisch relevanter Parameter. Dazu gehören insbesondere Merkmale, die (a) aus Außenbildern plausibel ableitbar sind und (b) einen direkten Mehrwert in Planung und Steuerung bieten:
Geschosszahl bzw. Geschosshöhen als Indikator für Volumen und potenziellen WärmebedarfDer technische Kern von KIBIZ ist eine durchgängige Pipeline, die große Mengen georeferenzierter Bilddaten in strukturierte, nachvollziehbare und qualitätsgesicherte Gebäudeinformationen überführt. Dabei werden Methoden aus Computer Vision, Geoinformatik und Datenmanagement kombiniert.
Bild- und Panoramadaten aus kommunalen Befahrungen werden ingestiert, bereinigt und mit relevanten Metadaten angereichert (z. B. Zeitstempel, Position/Orientierung, Kameraparameter). Diese Metadaten sind entscheidend, um Beobachtungen später eindeutig zuzuordnen und reproduzierbar zu verarbeiten.
Für Training und Evaluation sind Ground-Truth-Daten notwendig. Diese können durch Annotation, Bestandsdaten oder Expert:innen-Reviews entstehen. KIBIZ adressiert dabei explizit die Frage, wie gut sich Merkmale aus Außenbildern erkennen lassen und wie Grenzen transparent gemacht werden (z. B. Konfidenzwerte, Plausibilitätsregeln, Qualitätsscores).
Neben den ML-Modellen ist die Systemarchitektur entscheidend, um Ergebnisse verlässlich zu betreiben und an unterschiedliche Nutzergruppen auszuspielen. Im Projekt werden u. a. folgende Bausteine entworfen und prototypisch umgesetzt:
Klassische relationale Datenbanken stoßen bei der Verarbeitung großer Mengen georeferenzierter Bild- und Panoramadaten schnell an Grenzen. KIBIZ entwickelt deshalb hybride und performante Datenmanagement-Strukturen, die für Machine-Learning-Workflows geeignet sind und zugleich Anforderungen kommunaler Geodateninfrastrukturen erfüllen.
Damit die Ergebnisse in der Praxis ankommen, müssen sie in geeigneten Formaten bereitgestellt werden. KIBIZ zielt daher auf mehrere Ebenen der Nutzung:
Gebäudeebene: Attribute pro Gebäudeobjekt (z. B. Fenstertyp, Geschosszahl, Indikatoren)KIBIZ ist perspektivisch als Baustein kommunaler digitaler Zwillinge gedacht. Die Ergebnisse sollen sich in standardisierte Architekturen (z. B. nach DIN SPEC 91391 „Urbane Digitale Zwillinge“) einfügen und als Fachzwilling für Wärmeplanung bzw. als Bestandteil eines Gebäudebestand-Zwillings nutzbar sein.
Langfristig ist die Übertragbarkeit auf andere Städte und Regionen ein zentrales Ziel: Was im Pilotgebiet erprobt wird, soll als skalierbarer Ansatz für einen bundesweiten Gebäudedaten-Zwilling dienen.
KIBIZ adressiert neben der wissenschaftlichen und ingenieurtechnischen Fragestellung auch Transferfragen: Welche technischen, organisatorischen und rechtlichen Hürden bestehen für eine großskalige Anwendung – und wie können sie überwunden werden?
KIBIZ verbindet georeferenzierte Bilddaten, moderne Machine-Learning-Verfahren und Geo-/Datenplattform-Technologie zu einem Gesamtsystem, das eine zentrale Lücke der Wärmewende schließen soll: belastbare, gebäudescharfe Informationen über den energetischen Zustand des Gebäudebestands.
Der Mehrwert entsteht dabei aus dem Zusammenspiel von Technik und Praxis: Nur wenn Erkennung, Datenmanagement und Bereitstellung als End-to-End-System gedacht werden, werden aus Bilddaten nutzbare Planungsgrundlagen.