Ganz oder gar nicht ist oft die Devise, wenn es um neue Management-Ansätze geht. Das gilt derzeit auch für die eine große technische Umwälzung, in der wir uns befinden: Digitalisierungs-Freaks und -Skeptiker fechten einen nicht selten dogmatischen und daher unfruchtbaren Kampf um die eigenen Extrempositionen aus. Die gute Nachricht jedoch ist: Immer mehr Menschen bemühen sich um einen ausgewogenen Umgang mit der neuen Technologie, die gerade in der Pandemie unser (Arbeits-)Leben mit einem Paukenschlag verändert hat. Die Zeit, die hinter uns liegt, hat uns die Vorzüge der Digitalisierung eindeutig vorgeführt.
Und ihre Nachteile. Von „digitalem Burn-Out“ ist immer häufiger die Rede, auch wenn dieser Begriff von der Fachwelt noch nicht offiziell abgesegnet wurde. Dennoch: Dauererreichbarkeit, -vernetzung und -informationsberieselung scheinen zu einer immer flächendeckenderen Ermüdung zu führen. Im Gegenzug geht der Begriff Digital Detox um, die “psychisch-mentale Entgiftung … vom exzessiven Gebrauch digitaler Geräte und Medien“*. Die Erkenntnis sickert immer mehr durch: Der Schwanz sollte weniger mit dem Hund, als vielmehr der Hund mit dem Schwanz wedeln. Sprich, es wird Zeit, dass wir unsere eigene Erfindung bewusst steuern und nicht sie uns; dass wir ihre Nutzung an unsere Bedürfnisse anpassen.
Das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderte Forschungs- und Entwicklungsprojekt „PräDiTec - Prävention für sicheres und gesundes Arbeiten mit digitalen Technologien“ konnte 2021 in einer großen Studie zwölf verschiedene Belastungsfaktoren der digitalen Arbeit identifizieren, die allesamt menschliche Bedürfnisse frustrieren:
Digitale Führungskräfte sollen im Zusammenhang mit der Digitalisierung
Das ist durchaus legitim. Führungskräfte - und Unternehmen - haben aber auch die Aufgabe, für das physische und psychische Wohlbefinden der Menschen zu sorgen, die sie führen. Die oben aufgeführten Stress-Faktoren und ihre Auswirkungen unterstreichen: Führungskräfte - und Unternehmen - haben deshalb die wichtige und dringende Aufgabe, dem Thema Digitale Gesundheit sehr bewusst hohe Priorität einzuräumen und künftig genau abzuwägen, welches Ausmaß und welche Form der Digitalisierung für das System Organisation UND das System Mensch von Vorteil und wertvoll sind.
Digitaler Minimalismus - das bedeutet nicht die Verweigerung der Digitalisierung. Vielmehr ist es ein neuer hilfreicher Ansatz, der wertvolle Orientierung für den Umgang mit den zukünftigen digitalen Entwicklungen bietet. Cal Newport, außerordentliche Professor für Informatik an der Georgetown University, beschreibt Digitalen Minimalismus als eine Philosophie der Technologie-Nutzung, in der Online-Arbeit bewusst auf eine kleine Menge sorgfältig ausgewählter und optimierter Aktivitäten reduziert wird, die am effektivsten zu Erfüllung der wertschöpfenden Aufgaben beitragen. Ist eine digitale Aktivität nicht die bestmögliche Lösung zur Sicherstellung von Wertschöpfung, wird sie entweder optimiert - oder guten Gewissens fallengelassen.
Führungskräfte, die sich dem Digitalen Minimalismus (im Gegensatz zum digitalen Maximalismus) verschreiben, „zäumen“ daher „das Pferd“ sozusagen immer von der Seite der Wertschöpfung und nie von der der technischen Möglichkeiten auf. Es ist genau diese Haltung fortlaufender, kritischer Überprüfung und konsequenter Korrektur digitaler Anwendungen, die die Belastung durch digitale Arbeit geringhält und Ressourcen stärkt. Und dauerhaft für den Erhalt der Gesundheit, Arbeitszufriedenheit und Leistung Einzelner und des gesamten Teams sorgt.
Wie Sie als Führungskraft für sich und Ihr Team den oben beschriebenen Belastungsfaktoren konkret entgegenwirken können, erfahren Sie in unserem Download „Digitalen Stress vermeiden, Gesundheit erhalten - ein Maßnahmenkatalog“.