Kerstin Roulet Lesezeit 4 Minuten

Interkulturelle Zusammenarbeit

Bewusstsein über unterschiedliche Kulturen in der internationalen Zusammenarbeit gewinnbringend einsetzen: weil es zielführend ist und Spaß macht!

Globalisierung ist ein Einflussfaktor in der sogenannten VUCA-Welt, der die Zusammenarbeit in und zwischen Teams komplexer gestaltet und damit herausfordernd macht.

Offensichtlich existieren verschiedene Zeitzonen und Sprachen. Man hat mehr oder weniger Wissen über typische Speisen und Getränke, tauscht sich über Lebensgewohnheiten, Hobbys, Freizeitaktivitäten und Familie aus. Auch wenn man der Meinung ist, eine harmonische Zusammenarbeit erreicht zu haben, kommt es zu Situationen, aus denen Frust, Ärger und Wut hervorgehen.

  • „Jetzt habe ich das schon 3 × erklärt, mein Kollege aus Indien hatte nie Fragen und er kann es immer noch nicht!“
  • „Es war doch klar, dass der 31.03. Deadline ist. Warum kapieren die nicht, was das heißt?“
  • „Warum kann mir mein asiatischer Kollege das nicht direkt sagen? Immer schickt er seinen Teamleiter vor…“

Verantwortliche Team- oder Projektleiter werden mit einer geballten Ladung von interkulturellen Emotionen beschossen und versuchen auf unterschiedliche Weise, die Wogen zu glätten. Denn eines ist klar: Ob national oder international – ein Team, in dem die Luft der Zusammenarbeit mit Spannungen geladen ist, kann sich nicht so gut auf das eigentliche Arbeiten, auf das Produkt ihrer Tätigkeit, konzentrieren.

Die Logik der Culture Map von Erin Meyer kann hier Abhilfe schaffen.

Eingebettet in einen interaktiven Workshop erfahren alle Teammitglieder, wie ihre Kulturen sich unterscheiden und was das an Konfliktpotential bedeutet. Gemeinsam mit der Moderatorin und einer guten Prise Humor werden „No-Gos“ besprochen und Lösungen gesucht, wie das Team „besser“ zusammenarbeiten kann. Was „besser“ und notwendig ist, bestimmt das Team.

Der Workshop nutzt die Logik der Culture Map, die in dem Buch von Erin Meyer kurzweilig erklärt und mit vielen Geschichten erläutert wird.

Anhand verschiedener Dimensionen betrachtet man die empirische Verteilung der Kulturen, also wie sich eine Kultur empirisch gesehen verhält.

Hier ein Beispiel für die Dimension ‚Kommunikation‘:

Innerhalb einer Dimension verteilen sich die Kulturen zwischen links und rechts (im Bild: auf dem grauen Balken). Für die Dimension „Kommunikation“ steht links für „wenig Kontext“, rechts steht für „viel Kontext“. Eine Kultur, deren Sprache „wenig Kontext“ nutzt, kommuniziert sehr direkt, es wird gerne wiederholt und Aufgaben werden schriftlich festgehalten. Eine Kultur, die sich auf dieser Dimension eher rechts befindet, benutzt eine „blumige“ Sprache, in der gerne „zwischen den Zeilen“ gelesen werden muss, direkte Ansprachen vermieden werden, es zählt das gesprochene Wort und Wiederholungen werden als Respektlosigkeit interpretiert.

In dem Beispiel sieht man einen grünen Punkt auf dem grauen Balken. Dieser repräsentiert die Einordnung der deutschen Kultur. Der Punkt in Türkis steht für die indische Kultur. Was bedeutet das/was kann passieren:

Eine sehr direkte deutsche Kommunikation trifft auf eine indische Kommunikationskultur, bei der gerne zwischen den Zeilen gelesen wird. Um Klarheit zu schaffen, wird in Deutschland gerne wiederholt, was auf der indischen Seite das Gefühl hochkommen lassen kann, wie ein Kind behandelt zu werden.

Erschwerend kommt hinzu, dass internationale Teams oft in einer Sprache kommunizieren müssen, die für beide nicht die Muttersprache ist. Wörter werden nicht gleich übersetzt, die Bedeutung verliert sich damit und wilde Interpretationen können die Folge sein.

Erkenntnis: Eine internationale Zusammenarbeit geht nicht einfach nebenbei gut. Man sollte sich bewusst um sie kümmern, damit das Team nicht in kulturellen Dysbalancen stecken bleibt und die Lust am Arbeiten verliert.

Keine der Dimensionen (es gibt 8 davon) bewertet das empirische Verhalten. Jede Dimension erläutert und erklärt die Unterschiede, es gibt kein richtig oder falsch. Die Verteilung hat oft historische Gründe; Kultur gestaltet sich über Jahrhunderte.

Sie sind neugierig geworden und haben internationale Teams in ihrem Unternehmen, denen sie helfen möchten?

Bezug zum Buch: Titel: „The Culture Map“, ISBN: 978-1-61039-276-1, erschienen im Verlag PublicAffairs, Autorin: Erin Meyer.